Arantxa Urretabizkaia

Arantxa Urretabizkaia
Photo of arantxa urretabizkaia1
Cover of 'koaderno gorria' by arantxa urretabizkaia (erein publishing house)1
M.J. Olaziregi. Übersetzt aus dem Baskischen von Petra Elser.

Lesen Sie auch Baskische Literatur und die Kunst des Übersetzens.

Arantxa Urretabizkaia (Donostia, 1947) Die Anfänge der Laufbahn von Arantxa Urretabizkaia sind eng mit dem Verlag Lur verbunden. Sie ist diplomierte Historikerin und arbeitet als Journalistin. 2001 erhielt sie den Rikardo Arregi Preis für ihre journalistische Tätigkeit. Sie veröffentlicht sowohl Poesie als auch Prosa. Zu Ersterer gehören San Pedro bezperaren ondokoak (1972) (Die Folgen der Nacht vor San Pedro) und Maitasunaren magalean (1982) (Im Schoss der Liebe). San Pedro bezperakoen ondorenak ist der Versuch, in einem Gedicht von großer Sensibilität und Musikalität das Ende der Pubertät zu beschreiben.

Ihre bekanntesten Prosaveröffentlichungen sind die Romane Zergatik Panpox (1979) (Warum Panpox), Saturno (1987) (Saturn) und Koaderno gorria (1998) (Das rote Heft), sowie der Erzählband Aspaldian espero zaitudalako ez nago sekula bakarrik (1983) (Da ich schon seit langem auf dich warte, bin ich nie einsam) und das Jugendbuch Aurten aldatuko da nire bizitza (1992) (Dieses Jahr wird sich mein Leben ändern). Arantxa Urretabizkaia schrieb zudem die Drehbücher für die Filme Albaniaren konkista (1983) (Die Eroberung von Albanien) und Lauaxeta (1987) (Lauaxeta). Der Kurzroman Zergatik Panpox (1979) ist das bekanntest Werk der Autorin, das auch das meiste Lob der Kritiker erntete.

Der hervorragend lyrische Roman ist fesselnd aufgebaut und besteht aus einem langen inneren Monolog. In ihm wird ein Tag im Leben einer Mutter und deren 7-jährigem Sohn erzählt, den sie zärtlich "Panpox" nennt. Die Hauptfigur ist die alleinstehende Frau, die seit ihr Mann sie vor fünf Jahre verlassen hat, ihr Kind alleine großziehen muss. Zergatik Panpox gehört zum literarischen Umfeld des in den 70ger Jahren in Frankreich entstandenen Feminismus der "neuen Weiblichkeit" und der aus dieser Strömung hervorgegangenen Veröffentlichungen. Die lyrische Prosa dieses ersten Romans fand keine Fortsetzung in den folgenden Werken der Autorin. Der 1987 erschienene Roman Saturn ist eher dem literarischen Realismus zuzuordnen. In Saturn wird die Liebesgeschichte zwischen einem alkoholabhängigen Seemann und der Krankenschwester Maite erzählt. Die Handlung verläuft in einer klassischen Erzählstruktur, ohne weitere formale Komplikationen.

Urretabizkaias letzter Roman Koaderno gorria (1998), gehört zum Genre des autobiografischen Romans, das heute von Schriftstellerinnen sehr häufig verwendet wird. Aus jenem Roman haben wir die Leseprobe für diese Zeitschrift ausgewählt. Er erscheint uns der anspruchsvollste Roman der Autorin, mit einem sehr gelungenen lyrischen Stil. Das Muttersein steht im Mittelpunkt des Romans und um die Lebensumstände der Mutter, deren Figur im baskischen Original durch die sonst nicht übliche Großschreibung des Anfangsbuchstabens hervorgehoben wird, baut sich das gesamte Erzähluniversum auf. Wie der Titel bereits erkennen lässt, sind die Aufzeichnungen, die die Protagonistin in ein rotes Heft schreibt, der Hauptinhalt des Romans. Dieser ist auf zwei Ebenen angeordnet. Auf einer Ebene werden die Ereignisse um die Reise von Laura Garate erzählt, die auf Bitten der Mutter nach Caracas fährt, um den Kindern das rote Heft zu übergeben. Die zweite Ebene ist der Inhalt des langen Briefs an die Kinder, der von der Mutter in jenem roten Heft niedergeschrieben wurde. Die Kinder sind sowohl die Adressaten des Briefs und somit die narrataires, die fiktiven Leser, als auch gleichzeitig die Auslöser des Errinerungsvorgangs.

Arantxa Urretabizkaias Koaderno gorria gehört zu einer literarischen Tradition, die der Stimme und der Erinnerung von Frauen Ausdruck verleiht. Der Roman geht jedoch über die psychologischen und körperlichen Gesichtspunkte der Mutterschaft hinaus und thematisiert ebenso die sozialen und politischen Aspekte. Für die Hauptfigur ist der Versuch gescheitert, politisches Engagement und Mutterschaft zu verbinden. Das wird in dem Roman nachdrücklich vermittelt. Die wichtigsten Momente ihres Mutterseins (Schwangerschaft, Geburt, Krankheit,...) sind mit politischen Ereignissen verknüpft (die Amnestiekampagne, Protestaktionen und Demonstrationen), mit dem von der Protagonistin selbst gewählten Engagement. So liefert uns Arantxa Urretabizkaia mit großem Geschick das Zeugnis einer Frau, die beim Versuch, Mutterschaft und politisches Engagement zu verbinden, an ihre Grenzen gestoßen ist.












© University of Wales, Aberystwyth 2002-2009       Home  |  @ Kontakt  |  Zurück zum Seitenanfang
site by CHL