Ramon Saizarbitoria

Ramon Saizarbitoria
Photo  of ramon saizarbitoria1
Cover of 'bihotz bi' by ramon saizarbitoria (erein publishing house)
Cover of 'ehun metro' by ramon saizarbitoria (erein publishing house)1
Cover of 'rossettiren obsesioa' by ramon saizarbitoria (erein publishing house)
Mari Jose Olaziregi. Übersetzt aus dem Baskischen von Jürgen Wolff.

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Die Romane des Soziologen Ramon Saizarbitoria (1944 in Donostia/San Sebastian geboren, der für seinen beruflichen Werdegang den ersten Sustatu-Preis (Preis der Baskischen Regierung) im Jahr 1994 verliehen bekam, brachten der zeitgenössischen baskischen Literatur eine völlig neuartige Poetik und Erzählformen. Er war Teilhaber der Verlage Lur und Kriseilua, Mitbegründer der Zeitschriften Ustelaund OH Euzkadi! und hat zahlreiche Beiträge in einer Reihe von Medien veröffentlicht.

Auch wenn er erwähnenswerte Gedichte und Essays veröffentlicht hat - besonders zu erwähnen ist der Essay Aberriaren alde (aberriaren kontra), dt. Titel: Für Vaterland (gegen das Vaterland), 1999 - wird Saizarbitoria in der baskischen Literatur wegen seiner Romane gelobt. In den Anfangswerken Egunero hasten delako (dt. Titel: Weil es jeden Tag beginnt, 1969), Ehun metro (dt. Titel: Hundert Meter 1976) und Ene Jesus (dt. Titel: Mein Jesus, 1976) sah Saizarbitoria das Verfassen von Romanen als eine Art Suche an. Das heißt als ein Bemühen, neue Erfahrungen zu machen und Dinge zu sagen.

An diesem literarischen Ausgangspunkt war er nahe an den Grundannahmen des "Nouveau Roman", dass wichtiger als die Geschichte selbst die Art sie zu erzählen ist. Die drei erwähnten Romane zeichnen sich durch eine wirklich erwähnenswerte handwerkliche Geschicklichkeit aus. Darüber hinaus entahlten die drei Romane eine Entwicklung, die den Autor veranlasst eine Reflexion über die Literatur selbst zu machen, wie man in dem Metaroman Ene Jesus sehen kann. Saizarbitoria war mit den in den siebziger Jahren bekannt gewordenen Romanen an die, vom Untergrund gesetzten Grenzen gelangt.

In den Romanen der Neunziger Jahre hatte er den Ansporn, den sich die Postmoderne als Ausgangspunkt zu eigen gemacht hatte: Entgegen der Versuche die Vergangenheit zu leugnen und uns zum Schweigen bringen, ist der einzige Ausweg der uns bleibt, die Vergangenheit wieder zu besuchen. Um die Vergangenheit wieder zu gewinnen, hat der Romanautor die Erinnerung zur Verfügung. Den Roman Hamaika pauso (dt. Titel: Elf Schritte) kann man als Generationsroman einordnen, der versucht eine Generation zu porträtieren. Der Roman handelt vom Todeskampf, eines der beiden, kurz vor Francos Tod hingerichteten ETA-Mitglieder, Angel und Otaegi. Debi zeichnet Saizarbitoria ein Bild der unruhigen politischen Lage der siebziger und achtziger Jahre. Im Grunde bildet das Entsetzen und die schreckliche Einsamkeit angesichts des Todes den roten Faden des Romans.

Um das schreckliche Drama der Hauptperson auszudrücken, ist das Buch zwischen den Zeilen und über die Erzählung hinaus voll von Verweisen auf den Tod. Der Autor gewann 19995 mit diesem Buch und 1996 mit dem Buch Bihotz bi. Gerrako kroniak (dt. Titel: Zwei Herzen. Kriegschroniken) den Preis der Kritik. Die Zweiteilung im letztgenannten Titel deutet uns an, dass der Roman um die lebhaftesten menschlichen Gefühle herum aufgebaut ist: Liebe und Hass. Genau wie es in Hamaika pauso geschieht, wird uns gleich zu Anfang dieses Werkes das tragische Ende des Romans mitgeteilt. Als er erfährt, dass sie ihn betrügt, stürzt die Hauptperson seine Frau aus dem Fenster.

Der Roman erzählt die grundlegenden Momente, die Höhen und Tiefen der Beziehung zur Frau. Die chronologische Zeit wird dabei wieder einmal auf den Kopf gestellt. Wiederholungen und Vorgriffe (flash-forward) lassen uns in die psychologische Zeit der Hauptfigur eintauchen. Wie der Erzähler sagt, ist die Erzählung der Geschichte anziehender als die Geschichte selbst. Deswegen werden ein um das andere Mal fast besessen genau die selben konfliktiven Szenen wiederholt. Zusammen mit dem, für eine jugendliche Leserschaft geschriebenen und erfolgreichen Buch Kandinsky-ren Tradizioa (dt. Titel: Kandinskys Tradition, 2001) ist das Buch Gorde nazazu lurpean(dt. Titel: Bewahr mich unter der Erde auf, Erein, 2000) das derzeit Aktuellste von Saizarbitoria.

Als Beispiel für die ausserordentliche Anerkennung sind die bisher verliehenen Preise zu erwähnen: der Preis der Kritik und der Preis des Baskenlandes. Das Buch Gorde nazazu lurpean vereint fünf kurze Erzählungen. Eins haben diese Geschichten alle gemeinsam: es geht um verschiedene Gründe, aus denen Körper aus Gräbern geholt werden. Aus der längsten Erzählung dieser Sammlung, dem Roman Rossetti-ren obsesioa (dt. Titel: Rossettis Besessenheit) haben wir einen Auszug entnommen, um ihn in drei Sprachen in dieser Zeitschrift vorzustellen. Dort wird der Leser auf die Hauptfigur Juan Martin treffen. Eine einsame, von der Kunst besessene Persönlichkeit, ähnlich wie der Maler Dante Gabriel Rossetti. Diese Besessenheit wird seine Beziehungen zu zwei Frauen stören. Ironie, Humor und die Bezüge auf Kunst und Psychoanalyse zwischen den Zeilen sind Bestandteile dieses köstlichen Romans.















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